Der Humantaysee – ein Tagesausflug für verwegene Wanderer

Dieses Jahr wollten wir mal etwas anderes am Inti Raymi (das Inkasonnenfest am 24. Juni) unternehmen. Anstatt uns unter die Menschenmassen in Cusco zu tummeln, fuhren wir mit Freunden zur Andean Spirit Lodge. Nach einer entspannenden Nachtruhe und dem Genuss von der leckeren Küche von Artemio, unserem Koch,  fuhren wir die schlängende Bergstrasse erst nach Mollepata, einer malerischen Andenstadt mit einem geschäftigen Sonntagsmarkt (wir kauften dort Kokabonbons ein), und dann weiter bis nach Soraypampa (3,850 m), wo die Schotterstrasse am Fusse des Gletschers Humantay endete. Der Ausblick auf die alternative Wanderroute nach Machupicchu und den majestätischen Schneegipfel Salkantay (6,272m) waren einfach herrlich!

Trotz der unerwartet hohen Anzahl der Trekker, die hier ihr Zeltlager für die Nacht aufgeschlagen hatten, und den vielen Tagesausflüglern die den steilen Hang zum Humantaysee hinaufwanderten, waren wir zutiefst berührt von der einzigartigen Schönheit der Landschaft. Wir liessen uns in Soraypampa für unser Mittagspicknick nieder und atmeten die dünne Luft tief ein, um uns für unsere Wanderung vorzubereiten. Nach einer steilen und mit einigen glatten Stellen versehenen Steigung von etwa 1 ½ Stunden kamen wir oben an. Dies war kein Ausflug für Kleinmütige! Wir würden diesen Trek eher als herausfordernd bezeichnen.

Zum Glück wurden wir oben angekommen reichlich für unsere Mühen belohnt mit atemberaubenden Ausblicken auf den zweifarbigen See (4,200 m)! Trotz der physischen Anstrengung überfiel uns ein Gefühl der Beschwingtheit! Wir opferten unsere k’intus (andächtige Arrangements von je drei auserwählten Kokablättern), sowie das Bier, das wir für den majestätischen Apu (Schutzgottheit, die im Berggipfel lebt) und die Mamaqocha (Mutter See) mitgebracht hatten.

Eine junge Touristin badete im eiskalten Wasser des Gletschersees – kalt genug um einen Herzinfarkt auszulösen, dachte ich – und stellte ihren perfekten schlanken Körper in einem modischen Bikini, kontratiert durch eine wollene Indianermütze mit Ohrenklappen, zur Schau. Sie kreischte im Wasser planschend zu den Jubelrufen der jungen Männer am Ufer. Wir hofften, dass sie sich keine Lungenentzündung holen würde, während wir sie wie gebannt anstarrten – wir selbst waren von Kopf bis Fuss in Wollsachen eingehüllt, um dem eisigen Gletscherwind zu widerstehen!

Der Abstieg machte sich in unseren Knien bemerkbar und ich war dankbar, dass ich meine Wanderstöcke dabei hatte. Wir trafen viele Wanderer, alle ausser Atem, die erst am Nachmittag den Aufstieg machten, darunter ein Teenager, der seinem Führer nur unwillig zu folgen schien. Als wir an unserem Bus ankamen, stärkten wir uns mit einer Tasse Kokatee, ehe wir zu unserer Lodge zurückfuhren, wo uns ein leckeres Abendessen mit einem Glass Wein und ein Kaminfeuer erwarteten. Wir feierten unseren erlebnisreiches Abenteuer!

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