Das geheimnisvolle Ollantaytambo entdecken

Ollantaytambo ist zweifelsohne eine der bezauberndsten Touristenziele im heiligen Tal der Inkas. Die moderne Siedlung steht auf den alten Inkafundamenten, selbst das Originalstrassennetz der Inkas ist noch intakt. Der Grundriss der Siedlung hat bis heute die Form eines Maiskolbens (Mais war und ist die Hauptkultur des heiligen Tals).

Als der Inkaherrscher Pachakuteq im 15. Jahrhundert hierher kam, liess er die damalige Bevölkerung morden  und siedelte im Anschluss Menschen aus dem Titicacaraum hier um.  Diese Einwanderer mussten dem Inka dann beim Bau eines seiner ehrgeizigsten Projekte in dieser Region helfen:  einem grossen zeremoniellem Komplex, das eine Dunkelwolkenkonstellation  auf der Milchstrasse am Nachthimmel widerspiegelt. Unsere Ahnen verstanden die Milchstrasse als den heiligen Himmelsfluss, das Sperma vom Schöpfergott Teqsi Wiraqocha, das sein irdisches Ebenbild im Urubambafluss hat, von den Inkas ehemals Wilcamayu (heiliger Fluss) genannt. Die Dunkelwolkenkonstellation, die in dem zeremoniellen Komplex widergespiegelt wird ist catachillay, das Lama mit dem Baby (neben dem Kreuz des Südens am Nachthimmel).  An der Junisonnenwende fällt der erste Sonnenstrahl in das Auge des Muttertiers und rekreiert damit ein weiteres Phänomen am Nachthimmel; die leuchtenden Augen von dem Lama und dem Baby werden von Alpha und Beta Centaurus gebildet.  Ende Oktober sind diese Augen nicht mehr sichtbar und so erzählt man sich die Legende, dass das himmlische Lama zum Meer gewandert sei, um Wasser zu trinken, damit es nicht zur Weltenüberschwemmung kommt. Wenn das Lama genügend getrunken hat, setzt die Regenzeit  ein…

Ollantaytambo war ebenso eine grossartige Stadt mit Residenzen für die Elite, wofür die hohe Qualität der Steinmetzarbeit der Fundamente der Wohnhäuser und die feinen doppelschwelligen Eingangspforten in die kanchas oder Innenhöfe der Wohnblöcke Zeugnis geben. Die alten Quecha Strassennamen sind noch intakt, sowie die Wasserkanäle für die Versorgung der Stadt.

Eine der Funktionen der Stadt war die eines grossen Tambos, ein Verwaltungszentrum und gleichzeitig ein Lager für überschüssige Produkte, die hier gespeichert wurden, bis sie zu ihrem endgültigen Bestimmungsort weiterbefördert wurden, z.B. im Falle einer Hungersnot.

In Ollantaytambo wurden die Qollqas (Speicherhallen) Teil einer Sakralarchitektur. Die grössten Strukturen gehören zu einer Steinformation, die vor Ort als ‘Thunupa’ bekannt ist, eine alte Wettergottheit vom Titicacasee. Thunupa wird mit Donner, Blitz und Hagel assoziiert und man brachte ihm ständig Opfer dar, damit er als Gegengeschenk  Wasser in seiner positive Form, nämlich als Regen, zurückgab und somit für eine erfolgreiche Ernte sorgte. Die Symbolik ist deutlich: verhalten sich die Menschen korrekt, dann gibt es einen Reichtum an Nahrungsmitteln – dies ist ein Beispiel der assymetrischen Andenreziprozität, der Gegenseitigkeit zwischen Menschen und Göttern.

Die Legenden erwähnen auch, dass Thunupa ein Mensch und Lehrmeister gewesen sei, der auf einer heiligen Route von Ost nach West durch die Anden gewandelt sei, bis er zum Schluss im Meer verschwand (überall auf dieser Route haben wir bis heute Reste von Heiligtümern).  Angeblich war Thunupa ein weisser Mann (dies könnte seinen Rauschebart erklären,  denn die Indianer Südamerikas haben keine Gesichtshaare) und trug eine lange weisse Tunik.

In den letzten Jahren wurde ein Pfad zu den Speicherhallen auf dem Pinkulluna Berg freigelegt und es ist nun für (fast) jeden möglich sie zu besuchen.  Das heisst es ist machbar, wenn man den müsamen, steilen und atemberaubenden Aufstieg auf dem prekären mit oftmals hohen Stufen versehenen Pfad in den Kauf nimmt. Auf jeden Fall Wanderstöcke mitnehmen und man muss zudem  unbedingt schwindelfrei sein! Die Belohnung wartet oben mit einem phantastischen Ausblick auf den zeremoniellen Komplex direkt gegenüber, sowie den (Inka)ort direkt unterhalb, den Hauptplatz und die landwirtschaftlichen Terrassen auf der anderen Seite des Urubambaflusses…

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